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Exkursion Moschee - Islam hautnah

26. September 2019, 10:00 Uhr: Die Sonne bescheint schon seit mehreren Stunden die ordentliche Pflasterung vor dem Eingang zum U-Bahnhof Britz-Süd an diesem Donnerstagmorgen. Hektisch tummeln sich die Menschen an diesem, um ihren Anschlusszug nicht zu verpassen. Darunter auch die 8a des Evangelischen Gymnasiums Schönefeld. Mädchen und Jungen folgen der Religionslehrerin Frau Szabo-Goy die Treppe hinunter, die Haare zerzaust vom Luftzug, der den Jugendlichen entgegenweht. Anstatt heute im Klassenzimmer zu weilen, sind sie auf dem Weg zu der Wilmersdorfer Moschee, der ältesten Moschee Deutschlands. Die Exkursion soll den Schülerinnen und Schülern den Islam, das aktuelle Thema des Unterrichts im Fach Religion, live erleben lassen; einen eigenen Eindruck zu gewinnen, das versprechen sich viele der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von diesem Ausflug. Voller Erwartung steigt die Klasse in die U7 ein. Eng wird zusammengerückt, damit jeder einen Sitzplatz bekommen kann. Einige Stationen sind es bis zum Fehrbelliner Platz. Auf dem Weg dorthin unterhalten sich so manche Kinder über das bevorstehende Ereignis. Viele Fragen stehen im Raum: Wer wird dort vor Ort sein, wie sieht es dort aus, müssen wir auch beten? Gut das bald darauf schon die U-Bahn hält und die Schiebetüren sich mit einem Blinken öffnen. Zusammen strömen die Jugendlichen aus der U-Bahn heraus. Flugs verlässt die Gruppe den Schacht und betritt den Bürgersteig. Der Geruch von Essen weht von den Marktständen herüber, als die Klasse sich ihren Weg an den Hochhäusern entlang bahnt. Nach ein paar Minuten biegen sie in eine kleinere Seitenstraße ab, die fern ab von dem Lärm der Automassen liegt. Hier säumen Bäume den Weg, fast ein wenig Idylle kann man hier wahrnehmen. Schon nach wenigen Metern erspähen die Ersten die Spitze des Minaretts, ein Turm, von dem 5-mal täglich durch den Muezzin zum Gebet gerufen wird. Immer mehr kommt die Moschee in voller Größe hinter dem Blätterwerk zum Vorschein. Das weißgestrichene Gebäude in der Brienner Straße 7 mit der silbernen Kuppel beeindruckt die Schülerinnen und Schüler, manche haben ein Bauwerk dieser Art noch nie zuvor gesehen. Doch bevor ihnen der Einlass gewährt ist, heißt es erst einmal Schuhe ausziehen, denn im Islam soll das Gebetshaus rein sein. Nachdem alle Schuhe ordentlich in einer Reihe aufgestellt sind, betreten die Jugendlichen den runden Raum.  Er ist in indisch-pakistanischer Mogul-Architektur gehalten. Dicker, bunter Teppich bedeckt den Boden und bildet einen farblichen Kontrast zu den ockergelben Wänden. Mehrere torartige geschwungene weiße Bögen sind Teil der Wand und lassen die Ebene größer wirken. Die dahinterliegende Mauerung ist weinrot mit grauen Fenstern, durch welche Licht in den Raum fällt. Die gelben Wände erstrecken sich weit in die Höhe und münden in einer weißen Kuppel, die an den Rändern mit dunkelgrauen Verzierungen bedeckt ist. Von der Spitze der Kuppel hängt ein Metallkonstrukt herab. An der Seite sind Klappstühle für die Schülerinnen und Schüler aufgereiht worden, von welchen die Jungen und Mädchen einen guten Blick auf die Mihrab, die Gebetsnische, haben. Nach und nach nehmen die Jugendlichen Platz. Plötzlich erklingen Schritte. Ein paar Anwesende wenden den Kopf. Ein Mann mittleren Alters betritt die Moschee. Er trägt einen Anzug und eine Takke, eine Gebetskappe, auf dem Kopf. Freundlich grüßt der Pakistaner die Klasse. Amir Aziz ist der Imam der Moschee. Er freut sich darüber, dass sie an dem Gotteshaus Interesse zeigen. In einer einstündigen PowerPoint-Präsentation legt er ihnen die wichtigsten Fakten über die Moschee dar und macht ihnen sogar den Ruf eines Muezzins vor. Denn die 1928 eröffnete Moschee ist etwas ganz Besonderes, was nicht nur an ihrer Architektur, sondern vor allem an ihrer Einstellung zum Islam liegt. Viele bezeichnen sie beispielsweise als sehr liberal, da sie jedem einen Zufluchtsort bietet. Interreligiöser Dialog steht im Vordergrund, zum Freitagsgebet kommen Anhänger des Islams aller muslimischer Ausrichtungen. Sogar wurde hier ein Moslem mit einer Jüdin verheiratet, etwas, das im Islam nicht selbstverständlich ist. Auch beten an diesem Ort Männer und Frauen gemeinsam. Selbst nach dieser umfangreichen Kundgebung sind noch Fragen offen, die der Imam geduldig beantwortet. Am Ende möchte ein Schüler wissen: „Beten wir jetzt noch?“. Aziz schmunzelt und fordert den Jungen auf, mit ihm in die Gebetsnische zu gehen. Der Junge bekommt ebenfalls eine Takke aufgesetzt. „Los Jungs, jetzt seid ihr dran“, ruft der Imam und zeigt, wie sich die männlichen Mitschüler hinter dem Jungen aufzustellen haben. Schließlich begeben sich die Mädchen nach vorne und reihen sich hinter den Jungs auf. Jetzt soll der Junge das Gebet anleiten. Aziz zeigt ihm, wie das geht. Gehorsam macht die Klasse die Bewegungsabläufe mit. Es ist ein runder Abschluss einer ereignisreichen Exkursion.

von Jasmina Jarysz, Klasse 8a

Quellenverzeichnis:

https://www.berliner-woche.de/wilmersdorf/c-kultur/bauarbeiten-an-berlins-liberalster-moschee-islamisches-gotteshaus-braucht-nach-ueber-90-jahren-eine-kur_a111663